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Steuertipps > Steuerpflicht & Veranlagung > Wann ist die Abgabe einer Steuererklärung Pflicht?

Wann ist die Abgabe einer Steuererklärung Pflicht?

Muss ich eine Steu­er­er­klä­rung ab­ge­ben oder nicht? Diese Frage haben Sie sich be­stimmt schon häu­fig ge­stellt.

Ob Sie tat­säch­lich zur Ab­ga­be einer Steu­er­er­klä­rung ver­pflich­tet sind und wann sich eine frei­wil­li­ge Ab­ga­be einer Steu­er­er­klä­rung loh­nen kann er­fah­ren Sie im Fol­gen­den!

Grund­sätz­lich un­ter­schei­det das Ein­kom­men­steu­er­ge­setz zwi­schen zwei Ver­an­la­gungs­ar­ten:

  • Pflicht­ver­an­la­gung: Immer dann, wenn Sie ge­setz­lich zur Ab­ga­be der Steu­er­er­klä­rung ver­pflich­tet sind
  • An­trags­ver­an­la­gung: Immer dann, wenn Sie frei­wil­lig eine Steu­er­er­klä­rung ab­ge­ben und einen An­trag auf die Ein­kom­men­steu­er­ver­an­la­gung stel­len

 

Pflicht­ver­an­la­gung: In wel­chen Fäl­len sind Sie zur Ab­ga­be einer Steu­er­er­klä­rung ver­pflich­tet?

Ab­ga­be­pflicht für Ar­beit­neh­mer

Er­zie­len Sie Ein­künf­te aus einem Ar­beits­ver­hält­nis, wird Ihnen mo­nat­lich vom Ar­beit­ge­ber Lohn­steu­er ab­ge­zo­gen, wel­che an das Fi­nanz­amt ab­ge­führt wird. Ei­gent­lich wäre für Sie somit steu­er­lich ge­se­hen alles er­le­digt und keine Steu­er­er­klä­rung ab­zu­ge­ben.

Der Fis­kus ver­mu­tet in man­chen Fäl­len, dass er trotz der mo­nat­li­chen Lohn­steu­er bei Ein­künf­ten aus nicht­selbst­stän­di­ger Ar­beit, zu wenig Steu­ern er­hält.

Des­halb sind Sie in fol­gen­den, in § 46 EStG ge­re­gel­ten Fäl­len zur Ab­ga­be einer Steu­er­klä­rung ver­pflich­tet:

  • Sie haben im Laufe des Jah­res Ne­ben­ein­künf­te von über 410,00 € er­zielt, wel­che nicht dem Lohn­steu­er­ab­zug un­ter­lie­gen
  • Sie haben Ar­beits­lohn von meh­re­ren Ar­beit­ge­bern gleich­zei­tig be­zo­gen
  • Sie haben Frei­be­trä­ge beim Lohn­steu­er­ab­zug in An­spruch ge­nom­men. Hier han­delt es sich z. B. um Frei­be­trä­ge für Wer­bungs­kos­ten, Son­der­aus­ga­ben, au­ßer­ge­wöhn­li­che Be­las­tung, wel­che noch­mals über­prüft wer­den sol­len.
    -> Han­delt es sich um einen Be­hin­der­ten-Pausch­be­trag, einen Hin­ter­blie­be­nen-Pausch­be­trag oder die Zahl der Kin­der­frei­be­trä­ge wird er­höht sind Sie nicht zur Ab­ga­be einer Steu­er­er­klä­rung ver­pflich­tet
  • Sie und Ihr Ehe­part­ner be­zie­hen beide Ar­beits­lohn und einer von Ihnen hat Steu­er­klas­se V oder VI oder bei Steu­er­klas­se  IV ist der Fak­tor ein­ge­tra­gen wor­den
  • Sie haben im Laufe des Jah­res Ar­beits­lo­sen-, Kran­ken-, El­tern- oder Mut­ter­schafts­geld über 410,00 € be­zo­gen, die dem Pro­gres­si­ons­vor­be­halt un­ter­lie­gen
  • Sie haben von einem (frü­he­ren) Ar­beit­ge­ber eine Ab­fin­dung oder Ver­gü­tung für eine mehr­jäh­ri­ge Tä­tig­keit er­hal­ten, für wel­che beim Lohn­steu­er­ab­zug be­reits die güns­ti­ge Fünf­tel­re­ge­lung an­ge­wen­det wurde
  • Ge­schie­de­ne oder dau­ern ge­trennt le­ben­de El­tern (oder bei El­tern nicht ehe­li­cher Kin­der beide El­tern­tei­le) haben eine an­de­re Auf­tei­lung des „Aus­bil­dungs­frei­be­trag“ oder des Be­hin­der­ten­pausch­be­trags in einem an­de­ren Ver­hält­nis als je zur Hälf­te be­an­tragt
  • Sie haben Son­der­zah­lun­gen er­hal­ten und im sel­ben Jahr den Ar­beit­ge­ber ge­wech­selt und Ihr neuer Ar­beit­ge­ber hat bei der Lohn­steu­er­be­rech­nung die Werte des vor­he­ri­gen Ar­beit­ge­bers nicht be­rück­sich­tigt
  • Ihre Ehe wurde im Lauf des Jah­res ge­schie­den oder Ihr Part­ner ist ver­stor­ben und einer der Ehe­gat­ten hei­ra­tet im sel­ben Jahr wie­der
  • Sie haben einen be­schränkt steu­er­pflich­ti­gen Ehe­part­ner, wel­cher im EU-/EWR-Aus­land lebt auf Ihrer Lohn­steu­er­kar­te ein­tra­gen las­sen
  • Sie haben Ihren Wohn­sitz oder ge­wöhn­li­chen Auf­ent­halt im Aus­land und haben in Deutsch­land die un­be­schränk­te Steu­er­pflicht be­an­tragt

Ab­ga­be­pflicht für Nicht­ar­beit­neh­mer

Er­zie­len Sie keine Ein­künf­te aus nicht­selbst­stän­di­ger Ar­beit müs­sen Sie unter ge­wis­sen Vor­aus­set­zun­gen trotz­dem eine Steu­er­er­klä­rung ab­ge­ben.

Wenn Sie z. B. durch die Ver­mie­tung einer Woh­nung, durch selbst­stän­di­ge oder frei­be­ruf­li­che Tä­tig­keit oder als Be­trei­ber eines Ge­wer­bes Ein­künf­te er­zie­len, müs­sen Sie immer dann eine Steu­er­er­klä­rung ab­ge­ben, wenn diese Ein­künf­te den Grund­frei­be­trag über­stei­gen.

Eine Steu­er­klä­rung ist somit ver­pflich­tend, wenn der Ge­samt­be­trag Ihrer Ein­künf­te (Ein­nah­men ab­züg­lich Wer­bungs­kos­ten bzw. Be­triebs­aus­ga­ben) fol­gen­de Werte über­steigt:

Jahr

Al­lein­ste­hen­de

Ver­hei­ra­te­te

2017

Euro 8.820

Euro 17.640

2018

Euro 9.000

Euro 18.000

2019

Euro 9.168

Euro 18.336

2020Euro 9.408Euro 18.816
2021Euro 9.744Euro 19.488

Aber nicht nur in oben ge­nann­ten Fäl­len müs­sen Sie eine Steu­er­er­klä­rung ab­ge­ben.

Möch­ten Sie z. B. einen Ver­lust­vor­trag gel­tend ma­chen, ist dies nur dann mög­lich, wenn Sie für das be­tref­fen­de Jahr eine Steu­er­er­klä­rung ab­ge­ben.

Auch bei einer Auf­for­de­rung durch das Fi­nanz­amt zur Ab­ga­be einer Steu­er­er­klä­rung müs­sen Sie diese er­stel­len, auch wenn die oben ge­nann­ten Vor­aus­set­zun­gen nicht auf Sie zu­tref­fen soll­ten.

Ab­ga­be­pflicht, wenn Sie Ein­künf­te aus Ka­pi­tal­er­trä­gen er­hal­ten

Auch dann, wenn Sie Ka­pi­tal­ein­künf­te haben kann es in be­stimm­ten Fäl­len zu einer Ab­ga­be­pflicht der Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung füh­ren:

  • Sie haben bei den Kre­dit­in­sti­tu­ten zu hohe Frei­stel­lungs­auf­trä­ge ge­stellt (ma­xi­mal 801 € bei Le­di­gen bzw. 1.602 € bei Ver­hei­ra­te­ten)
  • Sie haben bei den Kre­dit­in­sti­tu­ten kei­nen Kir­chen­steu­er­ab­zug be­an­tragt und die steu­er­pflich­ti­gen Ka­pi­tal­er­trä­ge über­stei­gen 801 €/1.602 € (Erst seit 2015 exis­tiert ein au­to­ma­ti­sches Ver­fah­ren zum Kir­chen­steu­er­ein­be­halt der Kre­dit­in­sti­tu­te)
  • Es wurde von ab­gel­tungs­steu­er­pflich­ti­gen Ka­pi­tal­er­trä­gen wie z. B. aus pri­va­ten Dar­le­hen oder Aus­lands­kon­ten keine Steu­er ein­be­hal­ten
  • Wenn Sie Ka­pi­tal­ein­künf­te be­zie­hen, die ihrer in­di­vi­du­el­len Ein­kom­men­steu­er un­ter­lie­gen wie z. B. in Falle von stil­len Be­tei­li­gun­gen oder Ka­pi­tal­er­trä­gen aus Be­triebs­ver­mö­gen

Wel­che Fris­ten sind bei der Ab­ga­be der Steu­er­er­klä­rung zu be­ach­ten?

Ab dem Ka­len­der­jahr 2019 gel­ten fol­gen­de Re­ge­lun­gen:

Die Ab­ga­be der Steu­er­er­klä­rung muss bis zum 31. Juli beim Fi­nanz­amt er­fol­gen. Dies be­deu­tet, dass die Steu­er­er­klä­rung für das Jahr 2019 daher bis zum 31. Juli 2020 ab­ge­ge­ben wer­den muss.

Las­sen Sie Ihre Steu­er­er­klä­rung von einem Steu­er­be­ra­ter oder einem Lohn­steu­er­hil­fe­ver­ein er­stel­len muss diese bis Ende Fe­bru­ar des über­nächs­ten Jah­res beim Fi­nanz­amt ein­ge­reicht wer­den.

Die Steu­er­er­klä­rung für das Jahr 2019 muss daher bis zum 28. Fe­bru­ar 2021 beim Fi­nanz­amt ein­ge­hen. Da dies je­doch ein Sonn­tag ist gilt der 01. März 2021 als letz­ter Ab­ga­be­ter­min.

Durch die Neu­re­ge­lun­gen ab 2019 ist es um ei­ni­ges schwie­ri­ger ge­wor­den, eine Frist­ver­län­ge­rung zu er­hal­ten. Die ist nur noch in Aus­nah­me­fäl­len mög­lich, z. B. wenn der Steu­er­pflich­ti­ge ohne ei­ge­nes Ver­schul­den die Ab­ga­be­frist nicht ein­hal­ten konn­te. Ein Frist­ver­län­ge­rungs­an­trag muss grund­sätz­lich schrift­lich ge­stellt wer­den.

Geben Sie Ihre Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung ver­spä­tet ab, kann dies für Sie un­an­ge­neh­me Fol­gen haben. Das Fi­nanz­amt ist in sol­chen Fäl­len dazu be­rech­tigt einen Ver­spä­tungs­zu­schlag zu ver­lan­gen. Es liegt hier im Er­mes­sen des Fi­nanz­amts ob ein sol­cher fest­ge­setzt wird.

Ein Ver­spä­tungs­zu­schlag wird je­doch auf jeden Fall fest­ge­setzt, wenn die Steu­er­er­klä­rung nicht in­ner­halb von 14 Mo­na­ten nach Ab­lauf des Be­steue­rungs­jah­res ein­ge­reicht wird.

Das be­deu­tet für die Steu­er­er­klä­rung 2019: Wenn ein Ver­spä­tungs­zu­schlag ver­mie­den wer­den soll, soll­te die Er­klä­rung bis 1. März 2021 beim Fi­nanz­amt ab­ge­ge­ben wer­den.

(Stand 14.04.2020)

Bei die­sem Bei­trag han­delt es sich um einen re­dak­tio­nel­len Text des Re­dak­ti­ons­teams. Die­ser Bei­trag er­setzt keine Be­ra­tung im Rah­men einer Mit­glied­schaft in un­se­rem Lohn­steu­er­hil­fe­ver­ein. Eine Be­ra­tungs­leis­tung im kon­kre­ten Fall fin­det nur im Rah­men einer Mit­glied­schaft in­ner­halb der Be­ra­tungs­be­fug­nis gemäß § 4 Nr. 11 StBerG statt.


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