Vereinnahmung und Verausgabung | Einkommensteuer

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Vereinnahmung und Verausgabung | Einkommensteuer

Mann mit Geld

In § 11 EStG wird der für die Besteuerung sehr relevante Zeitpunkt des Zu-/Abflusses von Einnahmen und Ausgaben geregelt. Da der Veranlagungszeitraum für die Einkommensteuererklärung ein Kalenderjahr umfasst, ist eine grundsätzliche Regelung zur Zeitpunktbestimmung notwendig.

Auf der Einnahmenseite ist die Regelung des § 11 EStG anzuwenden für Betriebseinnahmen bei der Gewinnermittlung (Einnahmen-Überschuss-Rechnung) und für die Einnahmen aus Überschusseinkünften, welche die Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit, Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung, Einkünfte aus Kapitalvermögen sowie sonstige Einkünfte umfassen.

Auf der Ausgabenseite ist die Regelung des § 11 EStG anzuwenden bei den Betriebsausgaben bei der Gewinnermittlung, den Werbungskosten, der Überschusseinkünfte, den Sonderausgaben und den außergewöhnlichen Belastungen.

Unberührt bleiben aber die Vorschriften über die Gewinnermittlung beim Betriebsvermögensvergleich.

Zufluss (Einnahmen)

Einnahmen sind grundsätzlich innerhalb des Kalenderjahres bezogen, in dem sie dem Steuerpflichtgen zugeflossen sind. Dies ist grundsätzlich erst mit der Erlangung der wirtschaftlichen Verfügungsmacht über ein in Geld oder Geldeswert bestehendes Wirtschafsgut gegeben.

Einzelfälle für den Zuflusszeitpunkt:

  • Bei einer Barzahlung liegt ein Zufluss mit der Geldübergabe vor.
  • Erfolgt eine Banküberweisung, ist der Betrag an dem Tag zugeflossen, an dem die Gutschrift auf dem Empfängerkonto erfolgt.
  • Wird eine Rechnung durch Scheckzahlung beglichen, erfolgt der Zufluss grundsätzlich mit der Entgegennahme des Schecks.
    Eine Ausnahme gilt jedoch dann, wenn die sofortige Bankeinlösung durch eine zivilrechtliche Vereinbarung ausgeschlossen ist.
  • Wird mit einer Kreditkarte bezahlt, erfolgt der Zufluss erst am Tag der Gutschrift auf dem Empfängerkonto durch das Kreditkartenunternehmen.

Abfluss (Ausgaben)

Ein Abfluss liegt vor, sobald man die wirtschaftliche Verfügungsmacht über ein in Geld oder Geldeswert bestehendes Wirtschaftsgut verloren hat.

Ausgaben sind für das Kalenderjahr abzusetzen, in dem sie geleistet wurden.

Einzelfälle für den Abflusszeitpunkt:

  • Bei einer Barzahlung liegt ein Abfluss mit der Geldübergabe vor.
  • Erfolgt eine Banküberweisung liegt der Abfluss grundsätzlich im Zeitpunkt des Eingangs des Überweisungsauftrags bei der Überweisungsbank bzw. bei einer Online-Überweisung am Tag der Ausführung der Online-Überweisung vor.
    Dies gilt jedoch nur dann, wenn das Konto die erforderliche Deckung aufweist bzw. ein ausreichender Kreditrahmen zur Verfügung steht. Andernfalls liegt ein Abfluss erst am Tag der Belastung auf dem Konto vor.
  • Erfolgt eine Zahlung durch Scheck, so erfolgt der Abfluss grundsätzlich mit Hingabe des Schecks. Sollte der Scheck versandt werden, erfolgt der Abfluss mit Übergabe an die Post. Wird der Scheck selbst in den Briefkasten des Zahlungsempfängers eingeworfen, gilt dieser Tag als Abflusszeitpunkt.
  • Wird mit einer Kreditkarte bezahlt, erfolgt der Abfluss mit der Unterschrift unter dem Belastungsbeleg.

Ausnahmen des Zu- und Abflussprinzips:

Regelmäßig wiederkehrende Einnahmen und Ausgaben

Regelmäßig wiederkehrende Einnahmen, die dem Steuerpflichtigen kurze Zeit vor Beginn oder kurze Zeit nach Beendigung des Kalenderjahres, zu dem sie wirtschaftlich gehören, zugeflossen sind, gelten als in diesem Kalenderjahr bezogen. Gleiches gilt für regelmäßig wiederkehrende Ausgaben.

Die regelmäßig wiederkehrenden Leistungen setzen ein Dauerschuldverhältnis voraus und müssen in gleichen Zeitabständen, nicht aber unbedingt in gleicher Höhe erfolgen.

Unter dem Begriff „kurze Zeit“ ist in der Regel ein Zeitraum von bis zu zehn Tagen zu verstehen. Hierbei handelt es sich um den Zeitraum vom 22.12. bis 10.01.

Die Zahlungen müssen innerhalb dieses Zeitraums fällig und geleistet worden sein. Es kommt dabei aber nicht auf die Fälligkeit im Jahr der wirtschaftlichen Zugehörigkeit an.

Diese Ausnahmeregelung findet typischerweise bei Mieten, Pachten, Zinsen und Renten- oder Versicherungsbeiträgen Anwendung.

Einnahmen aus nichtselbständiger Arbeit

Bei dem Zufluss von Einnahmen aus nichtselbständiger Arbeit ist folgendes zu beachten:

Laufender Arbeitslohn gilt in dem Kalenderjahr bezogen, in dem der Lohnzahlungszeitraum endet.

Wird beispielsweise bereits Ende Dezember der laufende Arbeitslohn für den Lohnzahlungszeitraum Januar ausbezahlt, so gilt der Arbeitslohn erst als im folgenden Jahr bezogen, da der Lohnzahlungszeitraum, für den der Lohn gezahlt wird, erst im Folgejahr endet (vorzeitiger Zufluss).

Erhält der Arbeitnehmer seinen laufenden Lohn für den Lohnzahlungszeitraum Dezember erst am 2.1., so gilt der Arbeitslohn als im vorangegangenen Jahr bezogen (verspäteter Zufluss).

Ist der Arbeitslohn für den Monat Dezember jedoch erst später als 3 Wochen nach Ablauf dieses Jahres zugeflossen (also z. B. am 25.1.), so liegt ein sonstiger Bezug vor.

Sonstige Bezüge (z. B. 13. Monatsgehalt, Abfindungen, Tantiemen, laufender Arbeitslohn für Lohnzahlungszeiträume des abgelaufenen Kalenderjahres, der erst später als 3 Wochen nach Ablauf dieses Jahres zufließt) sind erst in dem Jahr des tatsächlichen Zuflusses bezogen.

Bei Warengutscheinen ist nachfolgendes zu beachten:

Ist der Warengutschein beim Arbeitgeber einzulösen, fließt dem Arbeitnehmer der Arbeitslohn erst bei Einlösung des Gutscheins zu.

Ist der Warengutschein bei einem Dritten einzulösen, fließt dem Arbeitnehmer der Arbeitslohn mit der Hingabe des Gutscheins zu, da der Arbeitnehmer ab diesem Zeitpunkt einen nicht entziehbaren Rechtsanspruch gegenüber dem Dritten erwirbt.

Werbungskosten bei privaten Veräußerungsgeschäften

Die durch ein privates Veräußerungsgeschäft veranlassten Werbungskosten sind abweichend vom Abflussprinzip in dem Kalenderjahr zu berücksichtigen, in dem der Verkaufserlös zufließt.

Sofern der Verkaufserlös in mehreren Veranlagungszeiträumen zufließt, sind sämtliche Werbungskosten zunächst mit dem im ersten Zuflussjahr erhaltenen Teilerlös zu verrechnen. Ein etwaiger verbleibender Werbungskostenüberschuss ist dann mit den in den Folgejahren erhaltenen Teilerlösen zu verrechnen.

Nutzungsüberlassungen

Erhält der Steuerpflichtige Einnahmen für eine Nutzungsüberlassung von mehr als fünf Jahren, so hat er ein Wahlrecht, ob diese sofort versteuert werden oder ob eine gleichmäßige Verteilung auf den Vorauszahlungszeitraum vorgenommen werden soll.

Werden allerdings Ausgaben für eine Nutzungsüberlassung von mehr als fünf Jahren im Voraus geleistet, sind diese gleichmäßig auf den Zeitraum zu verteilen, für den die Vorauszahlung geleistet wird. Insbesondere unterliegen der Verteilungspflicht Vorauszahlungen von Erbbauzinsen und anderen Entgelten für die Nutzung eines Grundstücks.

Nicht erfasst wird hiervon ein Damnum oder Disagio, soweit es marktüblich ist.

Anschaffung von Wirtschaftsgütern

Die Aufwendungen für die Anschaffung von abnutzbaren Wirtschaftsgütern können regelmäßig nicht im Jahr der Bezahlung als Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben geltend gemacht werden.

Bei den Überschusseinkünften sind hier die Vorschriften für Absetzung für Abnutzung und die GWG-Vorschriften anzuwenden. Im Rahmen der Einnahmen-Überschuss-Rechnung sind zusätzlich die Vorschriften über die Bildung eines Sammelpostens anzuwenden.

(Stand: 10.12.2020)

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