Veranlagung im Einkommensteuerrecht

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Veranlagung im Einkommensteuerrecht

Eheringe
Die Zusammenveranlagung beim FA ist in der Regel für Ehegatten vorteilhafter. Doch in einigen einzelnen Fällen ist die Einzelveranlagung rentabler und günstiger

Unter der Veranlagung wird das förmliche Verfahren verstanden, in dem aufgrund einer Steuererklärung des Steuerpflichtigen die Besteuerungsgrundlagen vom Finanzamt ermittelt werden („Ermittlungsverfahren“) und die zu zahlende Steuer durch einen Bescheid des Finanzamts festgesetzt wird („Festsetzungsverfahren“).

Die Veranlagung erfolgt nach Ablauf eines Kalenderjahres (Veranlagungszeitraum) und bezieht sich auf das während dieses Zeitraums erzielte Einkommen.

Veranlagungsarten

Im Einkommensteuerrecht werden als Veranlagungsarten die Einzelveranlagung und die Zusammenveranlagung („Ehegattenveranlagung“/“Ehegattensplittung“) unterschieden:

Einzelveranlagung

Die Einzelveranlagung erfolgt durch die Steuererklärung eines einzelnen Steuerpflichtigen. Eine solche Veranlagung ist bei Ledigen, dauernd getrenntlebenden Ehegatten, Geschiedenen und Verwitweten durchzuführen.

Veranlagungswahlrecht von Ehegatten und eingetragenen Lebenspartnern

Ehegatten und eingetragene Lebenspartner können zwischen der Einzelveranlagung und der Zusammenveranlagung wählen, wenn die nachfolgenden Voraussetzungen gleichzeitig erfüllt sind:

  1. Beide Ehegatten müssen unbeschränkt einkommensteuerpflichtig sein oder als unbeschränkt steuerpflichtig behandelt werden.
  2. Die Ehegatten dürfen nicht dauernd getrennt leben. Ein „nicht dauerndes Getrenntleben“ liegt vor, wenn die Ehegatten die für die Ehe erforderliche Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft aufrechterhalten, sich also „Tisch und Bett“ teilen. Eine vorübergehende häusliche Trennung, z. B. bei einem beruflich bedingten Auslandsaufenthalt eines Ehegatten, wird geduldet.
  3. Die Voraussetzungen für das Ehegattenwahlrecht müssen zu Beginn des Veranlagungszeitraums vorgelegen haben oder im Laufe des Veranlagungszeitraums eingetreten sein. Hierbei ist beispielsweise unschädlich, wenn sich die Ehegatten oder Lebenspartner am 01.01. trennen oder wenn die Ehegatten am 31.12. heiraten.

Die Entscheidung, ob eine Einzelveranlagung oder eine Zusammenveranlagung durchgeführt werden soll, muss jedes Jahr bei der Abgabe der Einkommensteuererklärung durch Ankreuzen des entsprechenden Kästchens auf der Seite 1 des Mantelbogens der Einkommensteuererklärung getroffen werden.

Ehegatten werden einzeln veranlagt, wenn einer der Ehegatten die Einzelveranlagung wählt. Hier muss dann jeder Ehegatte eine eigene Steuererklärung abgeben. In dieser sind die Einkünfte anzugeben, die er selbst im Veranlagungszeitraum bezogen hat. Demzufolge kann jeder Ehegatte auch nur die Werbungskosten geltend machen, die ihm selbst entstanden sind. Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen und die Steuerermäßigung für haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerleistungen werden demjenigen Ehegatten zugerechnet, der sie bezahlt hat. Hier kann jedoch auf übereinstimmenden Antrag der Ehegatten beantragt werden, dass die Aufwendungen jeweils zur Hälfte abgezogen werden.

Bei der Einzelveranlagung bekommt jeder Ehegatte seinen eigenen Steuerbescheid mit der eigenen Steuererstattung oder Steuernachzahlung.

Der einseitige Antrag auf Einzelveranlagung ist aber unwirksam, wenn derjenige der die Einzelveranlagung wählt, keine oder nur geringe Einkünfte hat.

Ehegatten werden zusammen veranlagt, wenn beide Ehegatten die Zusammenveranlagung wählen oder, wenn die Ehegatten das Wahlrecht nicht oder nicht wirksam ausüben. Hier wird dann von den Ehegatten eine gemeinsame Steuererklärung abgegeben. Die Einkünfte der Ehegatten werden getrennt ermittelt und anschließend zu einem gemeinsamen Gesamtbetrag der Einkünfte zusammengerechnet.

Bei der Zusammenveranlagung werden beide Ehegatten als ein Steuerpflichtiger behandelt und erhalten nur einen Steuerbescheid. Für die in dem Steuerbescheid festgesetzte Steuerschuld müssen beide Ehegatten gemeinsam haften. Die Haftung kann durch einen Antrag auf Aufteilung der Steuerschuld „verhindert“ werden.

Eine Günstigerprüfung zwischen einer Einzelveranlagung und einer Zusammenveranlagung erfolgt nicht von Amts wegen.

→ Meistens ist eine Zusammenveranlagung vorteilhafter – also günstiger.

Insbesondere in folgenden Fällen ist jedoch eine Einzelveranlagung günstiger:

  • einer der Ehegatten hat Einkünfte erzielt, die dem Progressionsvorbehalt unterliegen
  • einer der Ehegatten möchte einen Verlust vor- oder zurücktragen
  • einer der Ehegatten hat in größerem Umfang Einkünfte, die ermäßigt nach der Fünftelregelung besteuert werden, wie z. B. eine Abfindung
  • beide Ehegatten sind Arbeitnehmer oder Rentner und beide erzielen Nebeneinkünfte. Hier kann dann jeder Ehegatte den „Härteausgleich“ nutzen (steuerfreie Nebeneinkünfte bis zu 410,00 €).

Grundsätzlich ist die Ausübung des Ehegattenwahlrechts für den betreffenden Veranlagungszeitraum bindend, allerdings ist unter gewissen Voraussetzungen eine Änderung der Veranlagungsart nach Ablauf der Einspruchsfrist noch möglich.

Wird eine Ehe im Laufe des Veranlagungszeitraums aufgelöst und heiratet einer der Ehegatten in dem Veranlagungszeitraum erneut und liegen bei ihm und dem neuen Ehegatten die Voraussetzungen für die Ehegattenveranlagung vor, besteht das Wahlrecht nur für die neue Ehe. Der andere Ehegatte, der nicht erneut heiratet, wird dann einzeln veranlagt.

Verpflichtung zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung

Hinsichtlich der Frage, wann die Abgabe einer Steuererklärung Pflicht ist, verweisen wir auf unseren Steuertipp „Wann ist die Abgabe einer Steuererklärung Pflicht?

Fristen zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung

Für Steuerpflichtige, die im Rahmen einer Pflichtveranlagung eine Einkommensteuererklärung selbst anfertigen, endet die allgemeine gesetzliche Abgabefrist für alle Einkommensteuererklärungen, die die Veranlagungszeiträume ab 2018 betreffen, sieben Monate nach Ablauf des betroffenen Besteuerungszeitraums. Die Einkommensteuererklärung muss daher bis spätestens 31. Juli des Folgejahres beim Finanzamt eingehen.

Hat der Steuerpflichtige für die Erstellung der Steuererklärung einen Steuerberater oder einen Lohnsteuerhilfeverein beauftragt, endet die Abgabefrist für alle Einkommensteuererklärungen, die die Veranlagungszeiträume ab 2018 betreffen, spätestens zum letzten Tag des Monats Februar des zweiten auf den Besteuerungszeitraum folgenden Kalenderjahres. Die Steuererklärung muss hier bis zum letzten Tag des Monats Februar des übernächsten Jahres bei Finanzamt eingehen.

Wird die Steuererklärung mit erheblicher Verspätung abgegeben, muss der Steuerpflichtige mit einem Verspätungszuschlag rechnen. Dieser ist zwingend festzusetzen, wenn die Steuererklärung nicht binnen 14 Monaten nach Ablauf des Besteuerungsjahres abgegeben wird. Die Höhe des Verspätungszuschlags beträgt für jeden angefangenen Monat 0,25 % der festgesetzten Steuer, mindestens jedoch 25 EUR pro Monat. Unerheblich für die Festsetzung des Verspätungszuschlags ist, ob die Steuerklärung persönlich vom Steuerpflichtgen oder mit Hilfe eines Beraters erstellt wurde.

Bei einer Antragsveranlagung (= freiwillige Abgabe) beträgt die Frist zur Abgabe 4 Jahre nach Ablauf des Kalenderjahres. Zur Fristwahrung muss die Einkommensteuererklärung bis zum Ablauf der Vierjahresfrist beim Finanzamt eingegangen sein.

Lesen Sie hierzu auch unseren Steuertipp „Aktuell geltende Abgabefristen für die Steuererklärung“.


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