Behinderten- und Pflege-Pauschbetrag: Anpassung nach 46 Jahren!

Menü


Steuertipps > Gesundheit & Leben > Behinderten- und Pflege-Pauschbetrag: Anpassung nach 46 Jahren!

Behinderten- und Pflege-Pauschbetrag: Anpassung nach 46 Jahren!

Sparschwein
Seit 2021 gibt es neue Behinderten- und Pflege-Pauschbeträge!

Innerhalb der letzten Jahrzehnte hat sich im deutschen Steuerrecht vieles geändert. Ständig wurden Anpassungen getroffen, veraltete Paragrafen gestrichen, neue wiederum eingeführt. Doch einer blieb lange Zeit unberührt: § 33b EStG (Pauschbeträge für Menschen mit Behinderungen, Hinterbliebene und Pflegepersonen). Hier erfolgte jetzt erstmals seit 1975 eine Erhöhung.

Der „Behinderten-Pauschbetrag“

Der Behinderten-Pauschbetrag wird jedem gewährt, der einen Grad der Behinderung von 20 hat und kann direkt vom Gesamtbetrag der Einkünfte abgezogen werden. Er dient u. a. zur Abgeltung der Aufwendungen für gewöhnliche und regelmäßig wiederkehrende Verrichtungen des täglichen Lebens. Anstelle des Pauschbetrages besteht auch die Möglichkeit, die Aufwendungen als außergewöhnliche Belastungen geltend zu machen.

Hinweis: Der Ansatz der Aufwendungen als außergewöhnliche Belastungen ist nur vorteilhaft, wenn der Teil, der die zumutbare Eigenbelastung übersteigt, größer als der Pauschbetrag ist.

Auch Kindern steht der Pauschbetrag zu. Da diese aber selbst meist keine Einkünfte erzielen und somit auch keine Steuern zahlen müssen, kann der Behinderten-Pauschbetrag auf die Eltern übertragen werden!

 

 

Der „Pflegepauschbetrag“

Der Pflege-Pauschbetrag begünstigt steuerlich alle Personen, die eine andere Person pflegen.

Voraussetzungen für den Ansatz sind:

  • Es muss sich um eine persönliche Pflege eines Angehörigen oder einer nahestehenden Person handeln.
  • Die Pflege findet in der Wohnung des Steuerpflichtigen oder in der des Pflegebedürftigen statt.
  • Die zu pflegende Person muss in Pflegegrad 2 oder mehr eingestuft sein.
  • Die pflegende Person darf dafür keine Einnahmen erhalten.

Ebenso wie beim Behinderten-Pauschbetrag besteht auch hier die Möglichkeit, die Aufwendungen als außergewöhnliche Belastungen abzusetzen.

 

Kurzfassung: Was hat sich geändert?

  • Die Behinderten-Pauschbeträge haben sich verdoppelt.
  • Man erhält einen Behinderten-Pauschbetrag nun bereits ab einem Grad der Behinderung von 20 (bisher 25).
  • Für behinderte Menschen, die hilflos sind, für Blinde und Taubblinde hat sich der Pauschbetrag auf 7.400 € erhöht.
  • Den Pflege-Pauschbetrag erhält man nun bereits bei der Pflege von Personen mit den Pflegegraden 2 und 3.
  • Bei der Pflege von Personen mit den Pflegegraden 4 und 5 wurde der Pflege-Pauschbetrag von 924 € auf 1.800 € erhöht.


Regelung bis einschließlich Veranlagungszeitraum 2020

Vor der Neuerung des § 33b EStG haben lediglich Menschen mit einem Grad der Behinderung von mindestens 50 einen Behinderten-Pauschbetrag erhalten. Nur Menschen, die eine Rente aufgrund ihrer Behinderung bekommen oder die Behinderung zu einer dauernden Einbuße der körperlichen Beweglichkeit geführt hat oder auf einer typischen Berufskrankheit beruht, haben bereits bei einem Grad der Behinderung von 25 eine Begünstigung erhalten.

Den Pflege-Pauschbetrag dagegen erhielten nur Steuerpflichtige, die eine hilflose Person pflegten, wobei die Höhe generell 924 € betrug.

 

Regelung ab dem Veranlagungszeitraum 2021

Seit 2021 wird bereits ab einem Grad der Behinderung von 20 ein Behinderten-Pauschbetrag gewährt, ohne, dass hier spezielle Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Außerdem hat sich die Höhe der jeweiligen Beträge verdoppelt.

Grad der Behinderung von mindestens

Behinderten-Pauschbetrag in €

20

384

30

620

40

860

50

1.140

60

1.440

70

1.780

80

2.120

90

2.460

100

2.840

 

Behinderte Menschen, die hilflos sind, Blinde und Taubblinde dürfen sogar einen Betrag von 7.400 € (bisher 3.700 €) ansetzen.

Für die Pflege von anderen Personen dürfen Steuerpflichtige nun bereits ab dem Pflegegrad 2 einen Pflege-Pauschbetrag ansetzen.

 

Pflegegrad

Pflege-Pauschbetrag in €

2

600

3

1.100

4 oder 5 oder Hilflosigkeit

1.800

 

(Stand: 27.10.21)



Bei diesem Beitrag handelt es sich um einen redaktionellen Text des Redaktionsteams. Dieser Beitrag ersetzt keine Beratung im Rahmen einer Mitgliedschaft in unserem Lohnsteuerhilfeverein. Eine Beratungsleistung im konkreten Fall findet nur im Rahmen einer Mitgliedschaft innerhalb der Beratungsbefugnis gemäß § 4 Nr. 11 StBerG statt.


Finden Sie Ihren persönlichen Berater

Haben Sie weitere Fragen und möchten sich persönlich beraten lassen? Dann finden Sie Ihren persönlichen Ansprechpartner vor Ort aus rund 1.200 Beratungsstellen. 

Wir freuen uns auf Ihre Anfrage!

Lohnsteuerhilfeverein Beratungsstellenleiter/in suchen

Beratungsstellensuche







Mitarbeiter für eine Beratungsstelle gesucht
Stadt Siegen

Für eine Beratungsstelle in Siegen suchen wir aktuell Mitarbeiter. 

→ Weitere Informationen ansehen

Mitarbeiter gesucht!