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Ausbildungskosten von der Steuer absetzen

Ausbildungskosten von der Steuer absetzen

Werden Sie dieses Jahr die Schule abschließen und beginnen eine Ausbildung, ein Studium oder sind Sie bereits seit einigen Jahren berufstätig und haben sich dazu entschieden, eine weitere Ausbildung oder ein Studium zur Weiterbildung aufzunehmen? Dann haben Sie sich vielleicht bereits die Frage gestellt, ob Sie die dafür anfallenden Aufwendungen steuerlich geltend machen können.

Wann, wo und in welcher Höhe diese Ausbildungskosten geltend gemacht werden können, erfahren Sie in unserem Steuertipp.

Werbungskosten oder Sonderausgaben?

Der Gesetzgeber lässt den steuerlichen Abzug von Kosten, die in Zusammenhang mit einer Ausbildung oder einem Studium stehen, zu. Es gilt hierbei nur zu unterscheiden, ob ein Abzug als Werbungskosten nach § 9 Abs. 6 EStG oder als Sonderausgaben nach § 10 Abs. 2 Nr. 7 EStG in Frage kommt.

Der Ansatz als Werbungskosten oder Sonderausgaben hängt davon ab, ob es sich bei dem Studium, der Lehre oder der Ausbildung um eine Erstausbildung oder eine weitere Ausbildung im Anschluss an eine abgeschlossene Erstausbildung handelt.

Als Erstausbildung wird in der Regel die erste Lehre oder Ausbildung verstanden, sowie ein Studium, welches direkt nach dem Abitur oder dem Fachschulabschluss begonnen wird. Auch der Wechsel des Studienfachs ohne vorherigen Studienabschluss oder die Wiederaufnahme des Erststudiums nach längerer Unterbrechung zählt als Erstausbildung.

Fallen die Aufwendungen im Zusammenhang mit einer Erstausbildung an, muss des Weiteren unterschieden werden, ob es sich um eine Ausbildung innerhalb eines Dienstverhältnisses oder außerhalb eines Dienstverhältnisses (z. B. Studium) handelt.

Findet die Ausbildung innerhalb eines Dienstverhältnisses statt, erhält der Auszubildende oder Lehrling eine Vergütung für seine Arbeit in Form von Gehalt oder Lohn. Da auf dieses Gehalt oder diesen Lohn Steuern gezahlt werden müssen, lässt der Gesetzgeber hier den Abzug der anfallenden Kosten als Werbungskosten zu. Als solch eine Erstausbildung angesehen werden z. B. die Lehre, das Referendariat oder ein duales Studium.

Eine Berufsausbildung wie in diesem Fall gilt nur dann als Erstausbildung, wenn sie bei vollzeitiger Ausbildung mindestens 12 Monate dauert und mit einer Abschlussprüfung beendet wird.

Findet die Ausbildung außerhalb eines Dienstverhältnisses statt, z. B. ein Studium, dann wird in der Regel kein Einkommen, welches im Zusammenhang mit der Ausbildung steht, erzielt. Hier bleibt nur die Möglichkeit, diese Kosten als Sonderausgaben anzusetzen, insofern andere Einkünfte wie z. B. aus einem Nebenjob oder aus Mieteinkünften oder Kapitalerträgen erzielt werden.

Bei einer Zweitausbildung oder einer Fort- und Weiterbildung können die hierbei entstehenden Aufwendungen immer als Werbungskosten abgezogen werden. Mehr hierzu finden Sie in unserem Steuertipp Werbungskosten: Fortbildungskosten

Welche Kosten können abgesetzt werden?

Als Sonderausgaben oder Werbungkosten, welche im Zusammenhang mit einer Ausbildung, einem Studium oder einer Fort- und Weiterbildung entstehen, können in der Regel folgende Aufwendungen steuerlich geltend gemacht werden:

  • Studiengebühren
  • Prüfungsgebühren
  • Fahrtkosten zur Ausbildungsstätte, sowie für die Hin- und Rückfahrt zu privaten Lerngruppen
  • Kosten für eine Unterkunft wie z. B. Miete, Nebenkosten
  • Reisekosten, die in Zusammenhang mit Pflichtpraktika, Studienreisen usw. entstehen
  • Arbeitsmittel wie Fachliteratur, Büromaterial, Möbel für das Arbeitszimmer
  • Zinsen für die Aufnahme eines Studienkredits

Wie und in welcher Höhe können die Kosten angesetzt werden?

Können die Aufwendungen anhand der oben aufgeführten Merkmale als Werbungskosten in der Steuererklärung angegeben werden, ist ein Ansatz in voller Höhe möglich. Diese Kosten sind dann in der Anlage N der Steuererklärung anzugeben.

Wird beispielsweise eine Zweitausbildung in Form eines Studiums begonnen und werden in dieser Zeit keine Einkünfte erzielt, können die während des Studiums entstanden Aufwendungen jedoch weiterhin als Werbungskosten geltend gemacht werden. Die dadurch erzielten Verluste können nachträglich, sobald ein Verdienst erzielt wird, als sogenannte „Verlustvorträge“ geltend gemacht werden.

Können die Aufwendungen jedoch „nur“ als Sonderausgaben geltend gemacht werden, ist dies lediglich bis zu 6.000 € möglich und zwar nur in dem Jahr, in dem die Kosten auch angefallen sind. Ein Verlustvortrag wie in oben genanntem Fall ist hier nicht möglich. Der Ansatz der Ausbildungskosten als Sonderausgaben erfolgt im Mantelbogen.

Da der Bundesfinanzhof (BFH) der Auffassung ist, dass ein Abzug der ersten Ausbildungskosten als Sonderausgaben verfassungswidrig ist, befasst sich derzeit das Bundesverfassungsgericht (Aktenzeichen VI R 2/12, VI R 8/12) mit  dieser Frage. Solange hier noch keine endgültige Entscheidung getroffen wurde ist es empfehlenswert, weiterhin die Ausgaben für das Erststudium als Werbungkosten in der Anlage N anzugeben und bei Kürzung auf 6.000 € Sonderausgaben durch das Finanzamt gegen den Steuerbescheid Einspruch mit Verweis auf das derzeit anhängige Verfahren einzulegen. 

(Stand: 20.04.2017) 

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